michael lissek

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"ohne sie könnte ich nicht gehen."

illegale altenpflegerinnen in österreich

.wann deutsche und polen auf e.

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osteuropäische menschen sind günstig. für rund 1400 € im monat sorgt die slowakin, die tschechin, die polin rund um die uhr, von mitternacht bis mitternacht für vater, mutter, partner, für den schwager. sie kocht, putzt, wischt staub und hintern, nebenher versorgt sie eitrige dekubituswunden. auch für das seelische wohl ist sie zuständig: sie gibt küsse auf die stirn von papa, spendet den angehörigen trost, ist als gesprächspartnerin beliebt. das kostet 1400 € monatlich.

dieses geld erspart uns den gedanken daran, daß ein pflege-system, das auch ein denksystem ist und das die alten aus dem bedarf – also: zum abfall wirft; daß ein system, das seinen nicht mehr produktiven teil nicht ohne die hilfe illegaler und darum billiger arbeitskräfte zu versorgen weiß: daß mit einem solchen system etwas nicht stimmen kann.

1400 € monatlich aus der privatschatulle sorgen für ruhe. und alle profitieren davon: die geldgierigen vermittlungsagenturen, die angehörigen, ein wenig auch die pflegerinnen – vor allem aber das marode pflege-system.  

was wäre, wir würfen sie alle raus?, die slowakinnen, polinnen, rumäninnen, wie einige gefordert haben? 

gehen wir von 40.000 pflegerinnen in österreich aus, dann sind das, da immer zwei pflegerinnen eine familie betreuen: 20.000 familien alleine in österreich, deren angehörige von illegalen pflegerinnen gepflegt werden. 

würfen wir sie alle raus – dann können wir davon ausgehen, daß binnen kürzester zeit das sogenannte system zusammenbräche. wären eva nicht und olga und edith nicht, und wie sie alle heißen, und hätten ewa und olga und edith und wie sie alle heißen nicht dieses unerklärbare pflicht- oder verantwortungsgefühl, auch ohne vertrag pünktlich zu ihren diensten zu erscheinen: dann bräche das pflege-system zusammen.

was das heißt? geschätzte 7.000 alte österreicher stürben in ihren betten binnen weniger tage...

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text, stimme und produktion: michael lissek

redaktion: elisabeth stratka, ORF 2008

sendetermin: 13. dezember 2008.

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