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„sie haben ein anderes spiel gesehen“.

berti vogts.

ein ungeliebter bundestrainer.

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berti vogts

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ich  hatte immer und immer wieder gesagt bekommen: nein, berti vogts gebe deutschen medien keine interviews mehr, von denen habe er die nase voll.

als ich berti vogts dann aber doch und nach einigen monaten diplomatischer höchstleistungen traf, war das in düsseldorf in dem restaurant piazza palmieri, ich kam eine halbe Stunde zu früh, aber vogts war schon da, saß an einem tischchen, trank espresso und las die bildzeitung. wer hätte das gedacht, berti vogts las die bildzeitung. was für einen mist die schreiben, sagte er noch, dann begannen wir unser interview.

die bildzeitung hat berti vogts während seiner bundestrainerkarriere zwischen 1990 und 1998 getreulich begleitet. oder sollte man sagen: „verfolgt“? „herr vogts: bitte unterschreiben Sie hier!“ titelte sie 1994, und oben drüber stand „rücktrittsgesuch“. „ist berti noch der richtige?“ wurde sie nicht müde zu fragen, und die antwort lautete stets „nein“.

vogts wurde 1990 bundestrainer. deutschland war gerade weltmeister geworden, und „der kaiser“ franz beckenbauer trat zurück. schlechte voraussetzungen. zwei jahre später änderte sich dazu auch noch der Ton der sportberichterstattung: die „sportschau“ trat ab und auf den mattscheiben flimmerte fortan „ran“ vom privatsender SAT1. fußball, ein spiel, das vorher von zwei, drei kameras abgefilmt und artig kommentiert worden war, wurde plötzlich zum medienevent, zur show. und spieler und trainer hatten in dieser boulevardberichterstattung neben sportlichen leistungen auch eloquent rede und antwort zu stehen.

vogts’ fähigkeiten als trainer wurden nie angezweifelt. schließlich wurde er 1992 vize-europameister, 1996 europameister und verlor von 102 spielen bloß 12. aber irgendetwas fehlte ihm, das sagen alle, die ich über ihn befragt habe. er vermochte es nicht, wärme auszustrahlen, die in einem emotionalen geschäft wie dem fußball nötig sei, sagt philipp köster vom fußball-fanzine „11 freunde“. er machte einen armseligen eindruck, sagt philipp selldorf von der süddeutschen zeitung. er weigerte sich, exklusive informationen an „bild“ zu verkaufen, und deswegen machte ihm der boulevard das Leben schwer, sagt roger willemsen. und die fußballreporterin des WDR, sabine töpperwien, sieht in vogts gar eine reinkarnation von „jeckyl and hyde“:  privat ein umgänglicher kumpel, vor dem mikrofon steif und zugeknöpft.

„sie haben ein anderes spiel gesehen“ versucht, die mechanismen zu analysieren, die dazu führten, daß vogts, der der bisher erfolgreichste deutsche fußballbundestrainer war, zum unbeliebtesten zu machen. welche rolle spielen eigentlich medien und was sind ihre ansprüche an den deutschen fußball? war vogts vielleicht doch ein schlechter trainer? und was heißt das eigentlich, was immer wieder behauptet wurde: vogts würde schlecht sprechen?

erstsendung: RBB kulturradio 23. Juni 2004.

produktion: rbb 2004

regie: michael lissek

assistenz: kirsten böttcher 

redaktion: renate jurzik 

länge: 55 minuten


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